Sabbatical: Einmal um die Welt und zurück

Nachdem mein Spareribs-Blogartikel mit über 230 Facebook-Likes diesen Sommer verhältnismäßig durch die Decke gegangen ist habe ich mich entschlossen mal wieder für euch zu bloggen. Diesmal geht es darum sich eine persönliche Auszeit vom Job – neudeutsch  auch Sabbatical genannt – zu nehmen. Und genau das werde ich in den nächsten 3 Monaten tun. Nicht etwa weil ich auf den zur Zeit sowas von ultrahippen Burnoutzug aufspringen will, sondern weil ich mir ganz einfach einen Traum erfüllen will den ich schon immer hatte: Für mich geht es in ein paar Tagen auf Weltreise  :-)

 

 

Auf private Dinge gehe ich hier nicht ein, diese als allererstes zu klären sollte klar sein. Es geht mir in erster Linie darum um wie man sich jobmäßig und organisatorisch darauf vorbereitet so sorglos wie möglich auf die Reise zu gehen. Wenn man nämlich einmal angefangen hat zu arbeiten ist es in der Regel gar nicht mal so einfach zu sagen dass man für einen längeren Zeitraum quer durch die Welt turnen will. Damit das alles aber so reibungslos wie möglich abläuft sollte man gut planen und das auch noch rechtzeitig, eine echte Herausforderung. Ich versuche euch also aus eigener Erfahrung zu helfen wie man seine Auszeit durchzieht. Am Ende gibt es auch wieder eine Checkliste zum Download. Also, los geht´s.

 

Schritt 0: Festlegen was man macht und dass man es auch macht

Die Überschrift ist natürlich erst einmal selbsterklärend, aber natürlich die Grundlage für alles weitere. Als erstes muss man sich natürlich überlegen wofür man sich überhaupt eine Auszeit nimmt. Dafür gibt es bspw. folgende Möglichkeiten:

  • Längere Reise
  • Weiterbildung (Kurzstudium, Sprachkurs…)
  • Familiäre Gründe (Verlängerung Elternzeit, Pflege…)
  • Hausbau
  • Burnout
  • RTL 2 gucken und Dosenbier trinken ;-)

Hat man das für sich selbst gecheckt muss man sich überlegen wie man sich sein Vorhaben finanziert. Auf Finanzierungsarten für Weltreisen gehe ich hier aber auch nicht ein, denn wenn man es unbedingt will, findet man auch hier einen Weg. Wenn man nicht jeden Tag im Luxushotel übernachten will wird eine Weltreise nicht am finanziellen scheitern, man muss nur wirklich wollen und gleichzeitig bereit sein etwas dafür tun.

Nachdem man also festgelegt hat was man machen will und sich überlegt hat wie man sich das alles leisten kann kommt der wohl wichtigste Gedankengang von allen. Man muss für sich selbst ganz klar den Entschluss fassen dass man das Ding auch durchzieht, mit allen Konsequenzen. Also: Mögliche wichtige Konsequenzen für Familie, Beziehung und Job aufschreiben, abwägen und eine klare Entscheidung treffen. Wenn ihr euch sicher seid geht’s an die Vorbereitung. BTW: Wer eine Familie hat und denkt das Thema hätte sich dadurch erledigt sollte mal hier vorbeischauen. Und durch Freunde die gerade unterwegs sind weis ich dass man eine Weltreise auch mit kleinen Kindern machen kann, nur so viel dazu.

 

Schritt 1: Zeitliche Rahmenbedingungen festlegen

Hier gilt es für sich selbst und auch im Hinblick auf die noch folgenden Schritte zu klären wie lange man sich von seinem Alltag verabschiedet und wann genau dies geschehen soll. Generell kann man natürlich sagen je früher ich mir darüber im Klaren bin, desto entspannter kann man die weiteren Schritte angehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man ein Jahr vor seiner Auszeit die zeitlichen Rahmenbedingungen festgelegt haben sollte. Und drei Monate auf Achse zu sein ist für alle Beteiligten überschaubar und fair und somit auch relativ leicht umzusetzen.

 

Schritt 2: Welche vertraglichen bzw. arbeitsrechtlichen Modelle gibt es?

Ich war mir nicht ganz sicher ob man sich erst mit dem Chef unterhalten oder ob man sich erst einmal informieren soll welche vertraglichen bzw. arbeitsrechtlichen Modelle es gibt. Rein taktisch würde ich aber sagen man sollte sich vorher die Mühe machen damit man im entscheidenden Moment so viele Antworten wie möglich parat hat. So, wir sind ja hier in Deutschland und eigentlich ist damit auch alles gesetzlich geregelt. Ein Sabbatical jedoch nicht, war ja mal wieder klar. Wenn man nach seiner Auszeit wieder einsteigen will gibt es im Wesentlichen zwei etablierte Modelle. Zum einen kann man über ein spezielles Teilzeitmodell vereinbaren dass man eine bestimmte Zeit auf einen bestimmten Teil seines Gehalts verzichtet. So geht man bspw. 3 Jahre lang für 75% seines eigentlichen Gehalts arbeiten und bekommt das vierte dann einfach weiterbezahlt hat aber frei. Die andere Möglichkeit ist es Überstunden über einen längeren Zeitraum auf einem sog. Langzeitarbeitskonto anzusparen um dann ein paar Monate davon am Stück abzufeiern. Im Endeffekt geht es aber meistens darum eine individuelle Lösung mit seinem Chef zu finden. Der Vorteil dieser beiden Modelle besteht ganz klar darin das man sich nicht um seine Sozialabgaben kümmern muss, denn genau darum sollte man sich auf jeden Fall kümmern.

 

Schritt 3: Mit dem Chef sprechen

Wie teile ich meinem Chef jetzt also meine etwas verlängerten Urlaubspläne mit? Ein vorab aber nicht vergessen, die Entscheidung muss konsequent durchgezogen werden! Sonst steht man am Ende vor sich selbst als Hampelmann da wenn man in 20 oder 30 Jahren nochmal drüber nachdenkt was man den eigentlich so erlebt hat in seinem Leben. Also Termin ausmachen und klar auf den Punkt bringen was man vorhat, wann dies sein soll und vor allem wie lange es dauern soll. Zudem kann man dann auch direkt ein mögliches Modell vorschlagen und hat damit alle seine Hausaufgaben im Bezug auf den aktuellen Job  gemacht. Und wenn der Chef dann trotzdem nein sagt muss man eben kündigen bzw. sich kündigen lassen. Oder anders ausgedrückt: Konsequent sein! Ich habe an dieser Stelle übrigens großes Glück gehabt und darüber bin ich natürlich sehr dankbar!

 

Schritt 4: Worauf muss ich gesundheitlich achten?

Nachdem man jetzt weiß wie lange m,an unterwegs ist, wann dies sein soll und wie es jobtechnisch aussieht, sollte man sich an die konkrete Vorbereitung für einen selbst machen. Und das wichtigste Gut von allen ist ja die bekanntlich die Gesundheit. Konkret geht es hier in erster Linie natürlich um Impfungen. Bevor man sich aber jetzt Hals über Kopf impfen lässt muss man auf jeden Fall checken ob die eigene Krankenkasse das auch übernimmt. In meinem Fall hätte ich knapp 900€ selbst zahlen müssen, deswegen habe ich extra die Krankenkasse gewechselt. Den ganzen Prozess sollte man spätestens 6 Monate vorher in Gang setzen, da so ein Krankenkassenwechsel mittlerweile zwar recht easy abläuft aber alles in allem doch 1-2 Monate dauern kann. Die Impfungen selbst kann man theoretisch bei jedem Hausarzt machen, für den Raum Köln empfehle ich euch die BCRT Niederlassung im Kölner Globetrotter. Dort kann man sich entsprechend beraten lassen und bekommt noch eine Menge nützliche Checklisten, u.a. für die eigene Reiseapotheke.

Ein Thema das man auf keinen Fall vergessen sollte sind die Zähne. Ich kann mir nix schlimmeres vorstellen als irgendwo im Dschungel rumzuturnen und dann auf einmal höllische Zahnschmerzen zu bekommen. Also wenn ihr ohnehin immer zu den Routineuntersuchungen geht ist alles OK, ansonsten unbedingt 3 Monate vor der Reise zum Zahnarzt gehen.

Und um ganz auf Nummer sicher zu gehen sollte man noch eine Reiseversicherung abschließen. Im Ausland krank zu werden kann teuer werden…

 

Schritt 5: Papierkram regeln

Jetzt wird es leicht bürokratisch aber da muss man halt durch. Auf jeden Fall sollte man folgendes in Papierform als Original und Kopie einpacken:

  • Gültiges Visum
  • Reisepass
  • Impfpass
  • Versicherungskarte-/scheine der Reiseversicherung
  • Rezepte für die verschreibungspflichtigen Medikamente aus der Reiseapotheke
  • Liste mit den deutschen Botschaften der entsprechenden Länder

Hab bestimmt was vergessen aber wenn ihr diese Sachen dabei habt dürfte es keine größeren Probleme geben. Und noch ein kleiner Tipp: Den ganzen Papierkram einscannen und in die Dropbox ziehen. Dann hat man seine Papiere wenigstens online griffbereit wenn mal was verloren gehen sollte.

 

Schritt 6: Equipment besorgen

Nachdem das Bürokratische erledigt ist geht man erst einmal schön einkaufen oder lässt sich beschenken. Man sollte sich auf jeden Fall um eine umfassende Reiseapotheke kümmern, denn so richtig sicher sein kann man sich je nachdem wo man landet nämlich nie. Und wenn man mal ehrlich ist, die deutschen Aspirins sind immer noch die leckersten ;-) Brauchbare Infos dazu gibt es auf Reiseapotheke.de zu finden.

Wenn man nicht plant jeden Tag im Luxushotel zu nächtigen sollte man sich auf jeden Fall gutes Trekkingmaterial besorgen. Ganz wichtig ist dabei ein guter Rucksack, da man diesen einen Großteil der Reise mit sich rumschleppt. Da sollte man sich gut beraten lassen und auch nicht unbedingt den billigsten kaufen, man ärgert sich hinterher auf jeden Fall. Und ein guter Trekking Rucksack hält ja auch ein paar Jahre. Wichtiger Tipp: besorgt euch zum Rucksack einen Überzug inklusive Anhängeschloss dazu. Erstens schont diese Schutzhülle das Material, zweitens kann man durch das Schloss verhindern das einem Kiloweise Heroin oder ähnliches untergejubelt wird. Solche Geschichten hört man ja immer wieder. Ich packe also meinen Rucksack und nehme folgendes mit: Schlafsack, Isomatte, Trangia Kocher, Trekkinghandtuch, Trekkingkissen, Taschenmesser, Leatherman, ein gutes Buch, Laptop, eine Rolle Klopapier und was sonst noch so reinpasst. Ich habe übrigens den Tipp bekommen so wenig Kleidung wie möglich mitzunehmen. Da meine Reise in Asien startet gehe ich lieber dort direkt günstig vor Ort shoppen ;-)

Um überall auf der Welt bezahlen zu können muss man sich natürlich vorher um eine Kreditkarte kümmern falls man noch keine hat. Auch hier sollte man spätestens 3 Monate vor Reiseantritt aktiv werden.

 

Fazit & Sabbatical Checkliste

So das wären dann wohl meine Vorbereitungen, wenn euch nochwas einfällt könnt ihr das gerne in die Kommentare schreiben. Die Chefs unter euch werden das wahrscheinlich nicht so gerne gelesen haben, aber ich hoffe dass ich denjenigen unter euch die etwas ähnliches planen ein wenig geholfen habe. Und jetzt gibt es wie versprochen die Checkliste zum downloaden. Einfach den Button anklicken, als Dankeschön den Artikel per Facebook oder Twitter weiterverbreiten und schon kann es an die Planung eurer Weltreise gehen, viel Spass ;-)

 

 

 

 

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Marcel

Hier blogge ich rund um private Themen wie Grillen, Reisen, Skateboardfahren, Fusssball oder was auch immer...

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14 Gedanken zu „Sabbatical: Einmal um die Welt und zurück“

  1. Ich bin ja auch so nen kleiner Abenteurer, aber eher immer nur für maximal 1-2 Wochen. So ne Weltreise ist da schon nen anderer Schnack. Respekt und viel Spass!

  2. Hi Marcel,

    Tolle Sache, wünsch’ Dir viel Spaß!
    Wo geht’s denn in Asien hin?

    Bin ab Mitte Januar einige Wochen in Thailand unterwegs, vielleicht läuft man sich ja über den Weg… kreuzen sich ohnehin alle Wege für SOA-Reisende in Bangkok ;-)

    Gruß,
    Sebastian

      1. @Marcel: Laos war ich mal vor ein paar Jahren für ‘nen Monat. Ein echtes Juwel in der Ecke… Bleibt wohl nur noch guten Appetit zu wünschen! P.S. Klasse Tipp, dass mit Dropbox, werd’ ich doch glatt mal nachmachen

  3. Schön zu lesen und sehr informativ. (Könnte deinen Spare-Ribs Konkurrenz machen ;))

    Wünsch dir alles Gute für die Reise – und das dir Zahnschmerzen und Co. erspart bleiben!

    1. @Pascal: Gehe ja eh jedes halbe Jahr zum Zahnarzt. Aber ein Freund von mir war halt mal irgendwo in Indien oder wo auch immer unterwegs und hatte genau dieses Problem. Deswegen ist mir das so im Kopf hängen geblieben…

  4. Hi Marcel,
    klasse Schrittfolge zur beruflichen Auszeit. Leider konnte ich mir deine Sabbatical-Checkliste nur nicht durchlesen, da keinen Twitteraccount – aber du hast ja meine Email-Addy, vielleicht magst sie mir ja mal zumauern?!?;-).
    Cheers, Frank

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